Stiftung

Das Projekt

Die Cordts Art Foundation möchte Bewerberinnen aus verschiedenen Sujets ansprechen: Malerei, Bildhauerei, Installation, Musik, Tanz und Literatur – außer Grafik und angewandter Kunst. Die Werke sollten einen Anspruch haben und möglichst die neuen Medien mit einschließen.

Ein Kuratorium wird aus den Bewerbungen die passenden Künstlerinnen aussuchen. Es gibt keine Altersbegrenzung, die Ausbildung sollte jedoch abgeschlossen sein.

„Ich wünsche mir, dass auf Schwanenwerder etwas entsteht, was es so noch nicht gegeben hat. Es sollte nicht in erster Linie auf Verkauf ausgerichtet sein“, erklärt Franziska Seifert. Die 55-Jährige möchte Künstlerinnen aus ihrer Routine herausholen, ihnen die Chance geben, Kontakte zu knüpfen und sich und ihre Arbeit einem breiteren Publikum zu präsentieren. Denn am Ende der Residenz wird stets eine Ausstellung, Lesung oder ein Konzert stehen.

Die Künstlerinnen können auf der exklusiven Insel im Südwesten Berlins mit einem Stipendium zwei bis zehn Monate kostenlos wohnen und arbeiten. Für Unterhalt und Material wird je nach persönlicher Lage finanzielle Unterstützung gewährt. Eine Monatskarte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird bezahlt.

Die Stifterin

Die Bildhauerin und Stifterin Franziska Seifert ist verheiratet mit dem Unternehmer und Poeten Tim Cordts, der an allen Projekten maßgeblich beteiligt ist. Die Familienstiftung Franziska & Tim Cordts-Stiftung und jetzt zusätzlich die gemeinnützige Cordts Art Foundation haben sie zusammen gegründet.

Ungewöhnlich lebendige Steinarbeiten

Sie umkreist ihn lauernd wie ein Panther, streicht über seine Oberfläche, tastet sich vor in Rillen und Vertiefungen. „Ich fühle, was ich aus dem Stein herausholen kann“, sagt Bildhauerin Franziska Seifert, bevor sie sich mit Hammer und Meißel ans Werk macht.

Die in Hamburg lebende Künstlerin arbeitet in ihrem Atelier in Hamburg-Wilhelmsburg vorrangig mit Stein. Die Objekte, die sie verwendet, stammen aus aller Welt. Darunter sind Sandsteine (Thüringen, Bali), Alabaster (Italien), Opale (Namibia), Dolomit und Muschelkalk (Alpen).

„Ich suche die Steine, die ich für meine Skulpturen verwende, ganz gezielt aus“, erklärt Franziska Seifert. „Es sind in erster Linie sehr farbige oder sehr harte, polierbare Steine. Dabei ist es mir wichtig, ihre Farbigkeit, ihre Zufälligkeit und ihre Adern mit zu betonen oder die monochrome Farbigkeit und Mattheit der Oberfläche sprechen zu lassen.“

Die Bildhauerin haucht dem kalten, starren Material überraschend viel Leben ein. Ihre Arbeiten sind körperhaft, lassen hier einen Hüftschwung oder dort eine Schulterpartie erkennen. Denn sie erfasst Bewegungen, oft in Fragmenten, die Emotionen erlauben, sich zu befreien. Zarte oder raue, matte oder glänzende Oberflächen tragen zu dieser Lebendigkeit bei und laden zum Berühren ein.

Von der Monotypie zur Skulptur

Besonders interessant gestaltet sich der Entstehungsprozess der zweidimensionalen Arbeiten auf Papier. Franziska Seifert verwendet zur Vorbereitung ihrer Skulpturen eine traditionelle asiatische Technik, die Monotypie: Die ein- bis mehrfarbigen Grafiken erfordern bei dieser Durchdrückmethode teilweise den Einsatz ihres gesamten Körpers. Dabei entstehen Unikate, die ihren eigenen inhaltlichen und grafischen Charakter behalten.

Die Künstlerin stammt aus Buxtehude (Niedersachsen). Schon als Kind hat sie gern gemalt und gezeichnet. „Das hat mir immer das Leben erleichtert“, erinnert sie sich. Sie verbrachte die Sommer ihrer Kindheit in Thüringen, woher ihre Mutter stammt, und ist noch heute mit der rotliegenden Erde und deren Sandsteinen verbunden. Nach dem Abitur ging die heute 55-Jährige zunächst zur Kunstschule Alsterdamm in Hamburg und studierte danach von 1986 bis 1991 an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg Illustration.

Der Austausch mit anderen Kulturen ist unverzichtbar

Mit Steinarbeiten hat sie 1998 begonnen. Studien- und Arbeitsreisen führten sie nach Italien, auf die Osterinsel im Südpazifik, wo sie die über 700 Jahre alten monumentalen Steinskulpturen studierte, die menschliche Figuren mit überdimensionalen Köpfen darstellen, und nach Bali, wo sie bislang unbekannte Materialien wie die Bambuswurzel und Reiskarton kennenlernte und ihre Liebe zu Holz entdeckte. Indonesien hat sie gepackt wie kein anderes Land. Seit 15 Jahren fahren Franziska Seifert und ihr Mann regelmäßig für mehrere Monate dorthin. Auf Bali lernte die Künstlerin von einheimischen Schnitzern und Steinmetzen, ließ sich von deren Techniken inspirieren und zu neuen Arbeiten anregen.

Seitdem ist ihr der Austausch mit anderen Kulturen ein großes Anliegen. Davon zeugt auch ihr dreisprachiges North down equator a world widespun mit wunderschönen Fotos von Skulpturen, Zeichnungen und deren Entstehungsprozess in einem Land und mit Leuten, die nur dort in Asien zu finden sind. Künstlerinnen aus dem Ausland sind daher bei „Women Artists in Residence“ sehr willkommen.