Aktuelles

Juni 2020

Plakataktion „Wir rauben Corona die Krone“

Ein Frauenkopf mit Sonnenbrille und Hygienemaske – aber irgendwie verdreht? Eine flächendeckende Plakatierung in der Hansestadt Hamburg – wo Künstler doch gerade im Kleinen und mit Abstand agieren müssen?
Über 4.000 Plakate hängen in der Hansestadt. Sechs Künstlerinnen treten stellvertretend auf, um Corona die Krone zu rauben. Unsere Aktion soll aufmerksam machen, will sichtbar machen, in welch paradoxer Situation sich freischaffende Künstlerinnen seit Corona befinden.

Während einige Künstlerinnen gar keine Einnahmen erhalten, nutzen andere die Ruhe für besonders kreative Prozesse, noch andere wieder erstaunt, wie selbstverständlich sie gebeten werden, für Video-Streams zur Verfügung zu stehen – ohne Gage versteht sich. Allen gemeinsam fehlt seit März entschieden etwas: das Fühlen und Erleben mit dem Publikum.

„Dieser Zauber, wenn die vierte Wand fällt, wenn zwischen mir und dem Publikum keine Trennung mehr ist, lässt sich auf digitalem Weg nicht mehr herstellen. Ebenso wenig, wie sich die Seele einer Skulptur erfühlen, erfassen lässt, wenn ich sie hinter der gläsernen Wand des Bildschirms anschaue.“ Isabel Abedi, Schriftstellerin

Musik braucht den Kontakt zum Publikum im Liveerleben und Entstehen. In der Jazzmusik zum Beispiel verändert sich Musik mit dem Publikum, jedes Konzert klingt anders. Das kann die CD oder das Streamen nicht ersetzen. Auch wenn sich die Hygienevorschriften gerade zunehmend lockern, bleiben die Abstandsregeln. Der sinnliche Austausch, das sich gegenseitige Befruchten fehlt:
„Die Diskrepanz der Lockerungen, zwischen vollen Flugzeugen und Auflagen für Konzerthäuser, die im Grunde gar nicht umzusetzen sind, mit so geringen Zuschauerzahlen und so großem Mindestabstand, dass für alle Beteiligten die Arbeit eigentlich kaum Sinn ergibt, macht mich traurig.“ Lisa Wulff, Jazz-Bassistin

„Ich habe ein gesundes Bauchgefühl zu alltäglichen Entscheidungen wiedererlangt … und hatte endlich die Gelegenheit, ein Recording-Studio einzurichten.“ Christin Neddens, Schlagzeugerin

Denn Kunst braucht Leidenschaft, Hingabe, Widerstand – wie wir die Kunst zum Erleben, Fühlen und Erfassen brauchen. Dank Corona ist dies alles nun verdreht. Die Zäsur durch die Corona-Pandemie stellt alle Künstlerinnen vor große Herausforderungen, setzt teils ganz neue Methoden und Ansätze frei:
„Die Plakataktion will Sichtbarkeit herstellen für diese bisweilen abenteuerliche Anstrengung. Wie auch die kleinen und großen Erfolge. Nach dem guten alten Motto: Raus aus der Höhle, ran an den Bauzaun! Deshalb bin ich dabei!“ Anne Wiemann, Musikerin

„Mir war die Aktion eine große Herzensangelegenheit – als Künstlerin genauso, wie aber auch als Stifterin. Erschreckt hat mich, dass einige Frauen die Teilnahme an dem Projekt aus Gründen der Bescheidenheit abgesagt haben. Dies zeigt mir persönlich noch einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir mit unserer Arbeit in der Stiftung explizit Frauen stärken, selbstbewusst als Künstlerinnen aufzutreten.“ Franziska Seifert, Bildhauerin

Die Plakate werden bis Ende August in Hamburg hängen, und wir sind gespannt, wie sie sich über die drei Monate in der Witterung verändern werden. Genauso, wie sich die Situation der Künstlerinnen und damit in unserer Gesellschaft gerade ständig verändert.

Das Poem

Wir rauben Corona die Krone

Mit Leidenschaft
Mit Verve
Mit Hingabe
Mit Widerstand
Mit Überzeugung
Mit Enthusiasmus
Mit allem was wir haben
Mit allem was wir sind
Ohne uns keine Töne, keine Stimme, kein Gesicht
Ohne uns nichts zu fassen, nichts zu spüren, kein Gedicht
Wir sind die Rose, sind die Pusteblume, sind das Licht
Wir sind die Krone selbst, sonst nichts

Tim Cordts

Die zweite Stipendiatin ist eingezogen

Die deutsche Schriftstellerin und Künstlerin Gabriele Stötzer ist am 1. Juni 2020 als zweite „Artist in Residence“ im Atelierhaus auf der Insel Schwanenwerder in Berlin eingezogen. Sie wird dort bis Ende September ihre Auseinandersetzung mit dem weiblichen Selbstverständnis in Figuren und Text auf Leinwand setzen.

Wegen der Corona-Pandemie konnte die ursprünglich vorgesehene Stipendiatin, die junge Indonesierin Putu Sridiani, ihre Reise nicht antreten. Sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nach Berlin kommen – sobald das internationale Reisen wieder möglich ist. Daher hat Gabriele Stötzer ihr Stipendium vorgezogen.

Pressemiteilung Juni 2020

April 2020

Liebe Freund*innen der Künste,

seit Oktober weilte unsere erste Stipendiatin Monika Müller-Klug in dem Haus auf der Insel Schwanenwerder. Sie hat die Zeit inspiriert genossen und Skulptur und Lyrik zum Leben erweckt.

Der Biber war immer an ihrer Seite. Nun muss er erstmal alleine weiterarbeiten.

Aber wir müssen warten – denn natürlich können wir nicht, wie vor einigen Wochen noch erhofft, am 19. April 2020 ihre Arbeiten in Berlin der Öffentlichkeit zeigen.

Wann wir die Ausstellung nachholen werden, ist noch ungewiss, aber wir halten Sie auf dem Laufenden, mit dem absoluten Willen zur Kunst.

Kommen Sie gut durch diese Zeit!

Oktober 2019

Eröffnungsausstellung Schwanenwerder – ein Rückblick

Am 3. Oktober 2019 war es endlich so weit, und die Cordts Art Foundation konnte nach monatelangen Vorbereitungen und Renovierungen ihr Entstehen feiern. Schauplatz war natürlich das Haus auf Schwanenwerder, welches das Zentrum der Stiftungsarbeit repräsentiert.

Den Auftakt bildete eine Ausstellung der Bildhauerin und Stifterin Franziska Seifert, und so kam direkt zur Geltung, wie wunderbar die Räumlichkeiten des Hauses mit den Kunstwerken harmonieren.

Sobald man in das Haus eintritt, fällt der Blick auf die gegenüber gelegene Fensterfront. Dahinter erstreckt sich der weite Blick über den Garten und den anschließenden Wannsee. Eine gewisse Ruhe kehrt bei diesem Anblick ein, man freut sich darauf, mehr zu entdecken.

Das Erdgeschoss im Haus ist lichtdurchflutet und minimalistisch eingerichtet, wodurch alles sehr geräumig wirkt. Im Obergeschoss hingegen ist es durch Dachschrägen und viel Holz eher rustikal und gemütlich – ein Kontrast und doch ideal. Die Exponate der Ausstellung sind wie zufällig sowohl im Haus als auch im Garten angeordnet, und jedes für sich mit seiner Umgebung schön in Szene gesetzt.

Als die Türen sich um 12 Uhr öffnen, strömen die Gäste nur so ins Haus, bis es voll wird. Immer mehr weichen in den Garten aus, bis auch dieser so gut wie voll ist. Über 200 Besucher spazieren über das Gelände, genießen dabei Champagner oder andere Getränke, bestaunen die Kunstwerke und kommen miteinander ins Gespräch.

Besonders bei dieser Ausstellung: Anfassen der Skulpturen ist ausdrücklich erwünscht, was begeistert angenommen wird und einen weiteren Eindruck der Werke ermöglicht. Und immer wieder kann man beobachten, wie sich einzelne Personen von der Gruppe wegbewegen, eine andere Ecke des Geländes entdecken oder auf den angrenzenden Steg treten, um die Umgebung und besondere Atmosphäre in Ruhe in sich aufzunehmen.

Schnell wird einem klar, dass dies ein idealer Ort ist, um zur Ruhe zu kommen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und sich der Kunst zu widmen.

Dann begrüßt die Stifterin und ausstellende Künstlerin Franziska Seifert ihre Gäste und erzählt davon, wie und aus welcher Motivation heraus es zu dem Projekt „Women Artists in Residence“ gekommen ist. Bei ihr steht vor allem die Kunst im Fokus, jenseits monetärer Aspekte.

Sie spricht von der Rolle der Frau in der Kunst, ihren eigenen Erfahrungen und warum es so wichtig ist, einen Diskurs zu diesem Thema anzuregen und eine Unterstützung zu leisten, die ihr selber verwehrt geblieben ist.

Dabei erzählt sie, dass eigentlich ihr Mann Tim Cordts sie auf die Idee brachte, ein Projekt exklusiv für Frauen umzusetzen. Erst dadurch hat sie selbst begonnen, die Kunstszene und die dort verankerten Geschlechterrollen zu hinterfragen.

Es ist ein schöner Einblick in die Hintergründe des Projektes. Es wird klar, dass hier authentisches Engagement dahintersteckt.

Abschließend wurde die erste Stipendiatin, Monika Müller-Klug, vorgestellt.

Die bereits 82-Jährige ist Lyrikerin und Bildhauerin und wird sich während ihres Aufenthalts auf Schwanenwerder ihrer Poesie und der Gestaltung eines Eichenstamms widmen. Dabei fasst sie thematisch das vielschichtige Verhältnis zwischen Mensch und Natur ins Auge und wird im April ihre Arbeiten bei einer Ausstellung im Haus präsentieren – wir sind bereits gespannt auf die Ergebnisse!

August 2019

Am 3. Oktober 2019 eröffnet die Bildhauerin und Stifterin Franziska Seifert das internationale Projekt „Women Artists in Residence“ mit einer eigenen Ausstellung. Dies ist gleichzeitig der Startschuss für die erste Stipendiatin, Lyrikerin und Bildhauerin Monika Müller-Klug, die auf der Eröffnung vorgestellt wird.

Vernissage am 3. Oktober 2019 um 12:00 Uhr mit Musik, Champagner oder Wasser
Inselstraße 2a, 14129 Berlin-Nikolassee
Ein Shuttle-Service zur S-Bahn wird eingerichtet.

Die Ausstellung ist auch am Samstag und Sonntag, den 5. und 6. Oktober 2019 von 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet.

E-Mail: benedix[at]cordts-stiftung.de
Telefon: 0172 4128087